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VASSILIOS LAMBRINOUDAKIS, SEBASTIAN PRIGNITZ
Neue Bauinschriften aus Epidauros
2020
Aus dem Asklepiosheiligtum von Epidauros ist eine Reihe Bauabrechnungen bekannt, die aus dem 4. Jh. v.Chr. stammen. Die Urkunden lassen sich in vier Gruppen unterteilen:
I Die „Bautafel“ des Asklepiostempels, zwischen 400 und 390 v.Chr.
II Die Abrechnungen der Tholos, des Kultbildes und des Brunnenhauses, zwischen 380 und 350 v.Chr.
III Die Abrechnungen des Aphroditetempels, des Epidoteions, des sogenannten „Gymnasiums“ oder „Hestiatorions“, sowie des Apollo Maleatas-Heiligtums.
IV Eine Reihe später „Sammelabrechnungen“ für diverse Nutzbauten.
Die Aufsicht über die Bauvorgänge oblag wie in Athen Baukommissaren (ἐπιστάται), die Auftragsvergabe und Abwicklung der Bauarbeiten den Vergabekommissaren (ἐγδοτῆρες). Der Bauunternehmer (ἐργώνας) hatte die Arbeit mit seinen Gehilfen in einer vertraglich festgelegten Zeit und Qualität auszuführen, wobei er Bürgen (ἔγγυοι) stellen musste, die im Falle von Zeitüberschreitung oder schlechter Ausführung Buß- zahlungen zu leisten hatten.
Der Modus, nach dem man die Einnahmen und Ausgaben für die Bauprojekte abgerechnet hat, unter- lag Änderungen. So kamen die Gelder zunächst (Gruppe II) vom Priester (πὰρ ἱαρεῦς), dann (Gruppe III) von den Heiligtumspflegern (πὰρ ἱαρομναμόνων). Die Rechnungslegung folgte zunächst dem Kalender- jahr vom Monat Azosios bis zum Apellaios (Gruppe II), später der Amtszeit des zwischen 5 und 7 Monate amtierenden Sekretärs der ἱαρομνάμονες, sodass das Abrechungsjahr in zwei ungleich lange Semester zerfällt.